Jagdhorn lernen – Eine Anleitung

Am Anfang ist da nichts als heiße Luft. Zumindest, wenn man das erste Mal in ein kleines Jagdhorn bläst. Doch keine Sorge, das bekommst du mit ein wenig Übung gut in den Griff.

Jagdhörner sind Naturhörner

Jagdhörner, von denen es mehrere Arten gibt, sind Naturhörner. Dies bedeutet, dass jeder Ton mit den Lippen moduliert wird. Im Gegensatz zu einer Trompete oder einer Flöte gibt es auf Naturhörnern keine Klappen oder Tasten, mit denen Töne gespielt werden. Ein Ton entsteht allein durch die Lippenspannung. Je höher der Ton ist, desto mehr Spannung benötigt man.

Unsere Empfehlung zum Jagdhorn-Lernen:

Großes oder kleines Horn? Oder: Fürst-Pless Horn und Parforcehorn

Grundsätzlich stellt sich am Anfang erst einmal die Frage, welches Instrument man genau spielen möchte.
Die klassischen Jagdhörner sind die kleinen Fürst-Pless Hörner. Mit diesen bläst man die Jagdsignale und Jagdmusik in der Tonart B. Auf ihnen kann man fünf Naturtöne spielen. Auch wenn sich das nach wenig anhört, kann man dennoch ein breites Repertoire an Jagdmusik damit blasen.
Abwandlungen davon sind unter anderem Fürst-Pless Hörner mit Ventilen und kleine Taschenhörner. Diese findet man in den Jagdhornbläsergruppen allerdings seltener. Nicht ganz zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass so ein Fürst-Pless-Horn schön handlich ist. Man kann es einfach auf die Jagd mitnehmen.

Eine weitere Art des Jagdhorns ist das Parforcehorn. Es ist wesentlich größer und hat einen Innendurchmesser von 30 bis 50 cm… und braucht schon etwas mehr Platz im Kofferaum! Früher hängte man sich zu Pferd das Instrument um die Schultern, um die Hände frei zuhaben. Das Instrument hat einen wesentlich größeren Tonumfang. Dadurch lassen sich komplexere Melodien spielen. Parforcehörner können zusammen mit Fürst-Pless-Hörnern spielen, wenn sie die gleiche Tonart (nämlich B) haben. Es gibt auch reine Parforcehorn-Corps für sogenannte konzertante Jagdmusik, die meistens in der Tonart Es gestimmt sind.
Damit man sich nicht zwei Hörner kaufen muss, gibt es bei den Parforcehörnern die Möglichkeit, ein Umschalthorn zu kaufen. Durch Drücken eines Ventils lässt sich die Stimmung ändern. Damit kann man sowohl in B-Gruppen, als auch Parforcehorn-Gruppen mitspielen.

Die Technik machts: Jagdhornspielen lernen, eine Anleitung

Ganz egal für welches der beiden Jagdhörner man sich unterscheidet, Musik kann man mit beiden machen. Die Technik unterscheidet sich dabei nur minimal.
Beim Erlernen des Spiels solltest du dich vor Allem auf zwei Dinge konzentrieren: Die Atmung und die Lippenspannung.

Vorab: Keinesfalls solltest du durch puren Druck Töne erzeugen. Solltest du beim Spielen einen knallroten Kopf bekommen und deine Bläserkollegen bereits dein ganz persönliches Halali anstimmen, ist das die falsche Technik. Viele Jagdhornspieler tun leider genau das und haben nach wenigen Stücken keinen Ansatz mehr, d.h. können keinen geraden Ton mehr spielen. Auch die älteren 😉 Du wirst am Anfang damit zwar sehr schnell mehr Töne rausbekommen, aber im weiteren Verlauf große Probleme beim längeren Spielen haben.

Die Atmung

„Atmung? Das ist doch nichts besonderes!“ magst du vielleicht denken. Nimm dir dennoch einen Moment Zeit, dich damit zu befassen. Besonders beim Spielen des Fürst-Pless Horns musst du durch das richtige Atmen einen kontinurierlichen Luftstrom erzeugen. Schaffst du es nicht, diesen Luftstrom koninuierlich durch deine angespannten Lippen fließen zu lassen, wirst du keinen schönen Ton erzeugen können.

Das „richtige Atmen“ ist dabei das „Atmen in den Rücken“. Klingt komisch? Mag sein, aber stell es dir einfach vor. Bei vielen Aspekten beim Lernen eines Instruments muss man einfach das passende Bild im Kopf haben, um die richtige Technik anzuwenden.

Probieren wirs doch einfach mal aus.

Anleitung für die richtige Atemtechnik beim Jagdhornblasen

  1. Steh auf. Atme ganz normal ein.
  2. Auf den Laut „Ffffffff….“ atmest du nun aus.
  3. Solange, bis du gar nicht mehr kannst.
  4. Auf den Laut „K“ atmest du nun ein.

Wenn du alles richtig gemacht hast, solltest du beim Einatmen auf „K“ nun eine leichtes Anspannen des Zwerchfells (Bauchgegend) bemerken. Merk dir genau dieses Gefühl! Denn genau so musst du beim Spielen einatmen. Man bezeichnet diese Spannung auch als Stütze.

Manchen hilft es, wenn sie sich vorstellen, dabei in den Rücken einzuatmen, nicht in den Bauch. Die gleiche Spannung im Zwerchfell erzeugst du auch, wenn du hustest.

Der erste Ton

„Wie bekomme ich denn nun einen Ton aus dem Ding?“ Zugegeben, auch ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich den Dreh raushatte. Setze das Horn an deine Lippen an. Das Mundstück sollte mittig sitzen. Dann atme tief ein (siehe Anleitung), denk an die Spannung und…. auf eine Art „PFAAAAAHHHHHH“ wieder aus.
Beim Parforcehorn fand ich es einfacher, mir ein „TAAH“ oder ein „DAAH“ vorzustellen. Da man beim Fürst-Pless jeden Ton sehr stark stützen muss, braucht man da einen etwas stärkeren Laut. Solltest du Parforcehorn spielen, setze das Mundstück am Rand deiner Unterlippe an. Probier es einfach mal aus. Ich weiß, es klingt ein wenig seltsam am Anfang, aber mit einer Vorstellung im Kopf fällt es leichter einen Ton zu erzeugen.

Hast du (mehr) Töne?

Wenn du den ersten Ton gemeistert hast, kommen ganz schnell weitere dazu. Versuch dir das Gefühl zu merken. Es kann auch nicht schaden, sich beim Spielen den Ton vorher vorzustellen.

Hier sind noch ein paar Tipps:

  • Stell dich zum Spielen hin. Geht es gar nicht anders, sitze gerade auf der Stuhlkante.
  • Mach auch mal eine *Pause*. Am Anfang maximal fünf Minuten spielen, dann eine Pause machen.
  • Schließ dich deiner lokalen Jagdhornbläsergruppe an. Zusammen macht es mehr Spaß! Außerdem kommst du als Jungjäger super schnell in Kontakt mit anderen lokalen Jägern und kannst tolle Kontakte knüpfen.
  • Kauf kein billiges Horn für 50 Euro. Außer vielleicht, es ist dein Zweitinstrument. Du wirst keine Freude daran haben.
  • Wenn du irgendwann nicht mehr mit dem Üben weiterkommst, kann es sein, dass das Mundstück des Horns nicht passt. Wenn du die Gelegenheit hast, teste mal die Mundstücke deiner Bläserkollegen oder wende dich an den Fachhandel.

Jagdhorn kaufen

Ein vernünftiges Fürst-Pless Horn bekommt man schon ab etwa 150 Euro im Fachhandel. Beim Kauf solltest du darauf achten, dass es auch einen Stimmzug hat.

Natürlich gibt es auch günstigere Hörner, die rund 50 Euro kosten. Man wird daraus auch einen Ton rausbekommen. Grundsätzlich wird man sich aber beim Spielen leichter tun, je hochwertiger das Instrument verarbeitet ist. Und wie bei eigentlich allen Dingen des Lebens gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Empfehlenswerte Firmen sind Dotzauer und Kühnl & Hoyer. Meinl Hörner sind ebenfalls sehr gut, werden allerdings nicht mehr gebaut.

In der Wohnung Jagdhorn üben? Kein Problem

So ein Jagdhorn ist ziemlich laut! Und zu Beginn produziert man viele schiefe Töne damit. Damit die Töne irgendwann mal schön klingen, sollte man die Möglichkeit haben, laut und ohne Scham zu Üben. Wer nicht das Glück hat, ein eigenes Haus zu haben, wird sich früher oder später Gedanken um die Nachbarn machen. Oder wie einer meiner Nachbarn des Nebenhauses zu mir meinte: „Du, ich hab dich üben gehört.“

Die ultimative Lösung: Von Yamaha gibts das Silent Brass System. Es besteht aus einem Kegel, den ihr in euer Parforce- oder Fürst-Pless-Horn steckt. Es dämpft den Ton soweit, dass man im Nebenraum nichts mehr hört. Einen nahezu originalen Klang hört ihr über Kopfhörer, den ihr in das beiliegende Kästchen steckt.

Das System ist nicht günstig, allerdings möchte ich es nicht mehr missen. Ich habe es mir zugelegt, als ich begonnen habe, Parforcehorn zu lernen. Hierdurch konnte ich spielen, ohne dass sich jemand gestört fühlt. Im Nebenraum ist nichts mehr vom Jagdhorn zu hören. Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit üben und auch mal die schrägsten Töne halten.
Das ist beim Jagdhorn lernen besonders wichtig. Denn denkt man sich bei jedem Ton „oh Gott oh Gott, ist das laut!“ wird man nie vernünftig mit Schmackes die Luft ins Hörnchen schmettern. Einen guten Ansatz kann man so auch nicht aufbauen.

Bekannte Stücke (Auswahl)

In B-Stimmung für Fürst-Pless und Parforcehorn

  • Auf auf zum fröhlichen Jagen
  • Sollingen Fanfare
  • Jägermarsch No. 3
  • Hirschmarsch
  • Hubertusmarsch
  • Jägermesse

In Es-Stimmung für Parforcehorn

  • Auf auf zum fröhlichen Jagen (ein wenig anders als in B)
  • Gamsschützenmarsch
  • Im Gwantl
  • Jägers Wanderliedchen
  • Morgengruß
  • Fürstenruf
  • Hubertusmesse

Jagdhorn Noten kaufen

Die Noten zu den genannten Jagdhorn Stücken finden sich in den folgenden Büchern:

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DIE HUBERTUSMESSE - arrangiert für Parforcehorn - Waldhorn [Noten / Sheetmusic] Komponist: STIEF Reinhold aus der Reihe: HANDBUCH DER JAGDMUSIK 4

DIE HUBERTUSMESSE - arrangiert für Parforcehorn - Waldhorn [Noten / Sheetmusic] Komponist: STIEF Reinhold aus der Reihe: HANDBUCH DER JAGDMUSIK 4
  • Musik-Noten Ausgabe / Score / Sheetmusic : DIE HUBERTUSMESSE - arrangiert für Parforcehorn - Waldhorn
  • Komponist: STIEF Reinhold

DIE DEUTSCHEN JAGDSIGNALE - arrangiert für Fürst-Pless-Horn - Waldhorn [Noten / Sheetmusic] Komponist: STIEF REINHOLD aus der Reihe: HANDBUCH DER JAGDMUSIK 1

DIE DEUTSCHEN JAGDSIGNALE - arrangiert für Fürst-Pless-Horn - Waldhorn [Noten / Sheetmusic] Komponist: STIEF REINHOLD aus der Reihe: HANDBUCH DER JAGDMUSIK 1
  • Musik-Noten Ausgabe / Score / Sheetmusic : DIE DEUTSCHEN JAGDSIGNALE - arrangiert für Fürst-Pless-Horn - Waldhorn
  • Komponist: STIEF REINHOLD

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